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„Unsere Leidenschaft zu tauschen und zu handeln ist es, was uns vom Rest der Tierwelt unterscheidet.“

eBay-Bibel, Seite 3

Der Film

Eine Reise
in die eBay-Welt

Von Stefan Tolz und Marcus

Die Welt als globales Kaufhaus: Fünf erstaunliche Geschichten rund um den Globus, von Gewinnern und Verlie-rern, Handeln und Hoffen, Erfolg und Verheißung – und ein aufschlussreicher Ausflug ins Herz der Ebay-Zentrale.

Über 150 Millionen Menschen sind Nutzer von Ebay, dem weltweit größten Auktionshaus im Internet. Jeden Tag kom-men hunderte dazu, die bereit sind, ihr Leben zu verändern, um ihr Glück im virtuellen Handel zu machen. Über ein Jahr haben die Filmemacher Marcus Vetter und Stefan Tolz Menschen bei der Verwirklichung ihres Ebay-Traums begleitet: Im sächsischen Borna, auf der Isle of Skye in Schottland oder in einem Dorf in der mexikanischen Wüste – überall reizt die Idee von einem direkten Markt, auf dem alle und zu jeder Zeit miteinander handeln können.

In Kalifornien lernen wir „Onkel Griff“ kennen, den legendären Moderator der eBay Radio Show und Verfasser der eBay Bi-bel, der wie kein anderer die PR-Strategie des Konzerns ver-körpert. Die Kamera folgt Griff während der Ebay Live, dem jährlichen Weltkongress der „Gemeinde“, und gewährt so ei-nen aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen. In Hangzhou an der chinesischen Ostküste hat derweil der Erfolgsmann Jack Ma mit seiner Firma Alibaba den chinesischen Ableger von eBay längst überholt – und will den Amerikanern nun auch weltweit Konkurrenz machen.

Traders’ Dreams verwebt auf überraschende und unterhalt-same Weise persönliche Ebay-Geschichten mit einem globalen Wirtschaftskrimi. Es geht um die Philosophie, die hinter dem „System eBay“ steckt, um die Verheißungen, mit denen eBay und andere aus lokalen Flohmärkten globales Business machen. Wie steht es um die Verwirklichung des sagenhaften Traums von einem System, in dem alle gewinnen können?

„Jeder hat die gleichen Chancen. Alles was man braucht, ist eine technische Infrastruktur, um einen Computer anzuschließen und Zugang ins weltweite Netz zu haben. Es spielt keine Rolle, wie alt man ist, ob gebildet oder ungebildet, in welchem Land man lebt, an was man glaubt, welche Hautfarbe oder Nationalität oder welche sexuellen Neigungen man hat… Das alles spielt keine Rolle.“

Jim Griffi th (‚Griff‘), Moderator ebay-Radio-Show und Verfasser der ‚ebay-Bibel‘

Trailer

Trader´s Dreams

2007, 83 min

Alibaba

China ist mit über 120 Mio. Internet-Nutzern der zweitgrößte und dynamischste Internet-Markt der Welt. Auktions-Branchenführer ist die Taobao-Plattform von Alibaba. eBay, das nur rund 3% der chinesischen Internet-User erreichte, schloss sein eigenes Portal in China Ende 2006 und kooperiert seitdem mit dem chinesischen Internet-dienstleister Tom Online.

Jack Ma gründete Ende 1990er Jahre mit einem Kredit von 2.000 $ sein erstes Internet-Unternehmen China Pages, 1999 den B2B-Online-Marktplatz Alibaba.com und 2003 die nach eBay-Vorbild entwickelte Auktions-Plattform Taobao. 2005 kaufte Yahoo für eine Milliarde $ 40% der Alibaba-Anteile und gliederte seinen chinesischen Zweig ein. Alibaba hat heute mehr als 15 Millionen Kunden weltweit und betreibt mit Alipay das erfolgreichste Online-Zahlungssystem Chinas. Das Privatvermögen Jack Mas wird auf 500 Mio. Franken geschätzt.

Bild: Jack Ma, Alibaba / Taobao

Synopsis

Traders‘ Dreams erzählt von Menschen aus unterschiedlichen Ländern, die ihr Leben verändern, um durch das weltweite Auktionsfi eber im Internet reich und glücklich zu werden. Sie folgen dabei den Verheißungen eines amerikanischen Unternehmens, das aus lokalen Flohmärkten globales Business macht und seine Expansionsstrategie als wirtschaftliche Demokratisierung der Welt verkauft: The power of all of us.

In Deutschland, Schottland und Mexiko – mit Abstechern in die Konzernzentralen in China und den USA – begleiten die Filmemacher Marcus Vetter und Stefan Tolz Menschen, die versuchen, den eBay-Traum für sich zu verwirklichen. Ihre Erlebnisse, ihre Niederlagen und ihre Erfolge sind der Stoff für eine überraschende und unterhaltsame Entdeckungsreise ins scheinbar grenzenlose Universum des welt-weiten Internethandels.

Viele Ideen der New Economy sind so schnell wieder ver-schwunden wie die Aktienkurse der Dotcom-Firmen, die sie hervorgebracht haben. Doch eBay hat nicht nur überlebt, sondern ist kontinuierlich zum milliardenschweren Konzern und weltweit größten Auktionshaus im Internet gewachsen. Über 150 Millionen Menschen nutzen heute die bunten Portale des Unternehmens als Handelsplattform. Die Faszination, die eBay auslöst, geht quer durch alle Kulturen.

Was mancher von uns nur als Trödelmarkt oder Sammlerbörse kennt, ist indes für viele längst zum Lebensinhalt geworden. Mit perfektem Marketing hat eBay weltweit bereits eine halbe Million Menschen dazu gebracht, sich eine Existenz als so genannte Powerseller aufzubauen. Täglich kommen Hun-derte neue Kleinunternehmer dazu, die hoffen, auf eBay ihr Glück zu machen. Das Risiko tragen sie selbst, eine Gewinn-garantie gibt es, über die Einstellgebühren, nur für eBay.

Die Familie Thurm aus dem sächsischen Borna versucht der Arbeitslosigkeit eine neue Geschäftsidee entgegenzusetzen: Sie gründen eine Internetagentur, um Waren von örtlichen Kleinunternehmern auf eBay zu versteigern. Man besucht eBay-Seminare, holt Rat bei der Online-Universität, schmiedet Business-Pläne und testet Verpackungsmaterial. Nicht immer sind die Söhne der Familie sich mit den Eltern einig, aber immer wird eine Lösung gefunden – ob beim Kostümhandel oder beim regionalen Warenkorb. Nun ist man gespannt, ob die ganze geduldige Arbeit, die unzähligen Telefonate, die immer neuen Produktideen sich eines nicht allzu fernen Tages auch auszahlen werden…

Auf der schottischen Isle of Skye verbringt der Powerseller Spike ganze Nächte vor dem Computer, um über eBay zu kaufen und zu verkaufen – Nebenerwerb und Hobby zugleich. Archie Campbell, der in der Nähe ein Bed & Breakfast betreibt, zeichnet in seiner Freizeit mit großer Liebe zum Detail Schiffe und Ozeanriesen. Lässt sich dieses Hobby über eBay womöglich zu Geld machen? Welchen Preis verlangt man für ein solches Bild?  Spike gibt Ratschläge, Archies Frau Kathie aber ist eher skeptisch. Auch die Postbotin Jo Wade fährt lieber zweimal im Jahr zum Einkaufen aufs Festland. Aber neugierig auf eBay ist sie doch: Schließlich hat sich die Zahl der Pakete auf der Isle of Skye durch eBay beträchtlich erhöht…

Im Dorf Mata Ortiz in der Wüste Nord-Mexikos leben die Menschen vor allem vom Töpfern – ihre kunstvollen Vasen sind auf der US-amerikanischen Seite von eBay ein echter Verkaufshit. Larry Deming aus Tularosa ist der erfolgreichste Powerseller auf diesem Gebiet und fährt regelmäßig von Haus zu Haus, um seine Ware abzuholen. Vor kurzem wurde in Mata Ortiz eine Telefonleitung verlegt. Nun überlegen sich die Künstler, ob sie nicht selbst ihre Vasen auf eBay verkaufen können. Doch wie geht man ein solches Projekt an? Wer betreut die Website? Auf geschäfts-tüchtige Berater müssen die Töpfer von Mata Ortiz nicht lange warten…

Borna, Isle of Skye, Mata Ortiz: Überall weckt der „Geist von eBay“ – der uralte amerikanische Traum, dass jeder einzelne es schaffen kann, wenn er nur will – Hoffnungen und Ideen. Wie kein anderer verkörpert Jim Griffi th diese Philosophie. Als eBay Mann der ersten Stunde und populärer Moderator der eBay Radio Showsitzt „Onkel Griff“ im Herzen der eBay-Zentrale in Kalifornien, direkt neben den Top-Managern des Unternehmens. Er ist der Autor der eBay-Bibel, des Bestsel-ler-Handbuchs für die eBay-Gemeinde. Mit Griff als Vorzeige-fi gur einer bis ins Detail durchgestylten heilen Welt zeigt sich das gigantische Marketingkonzept, mit dem eBay nicht nur finanziellen Erfolg, sondern auch menschliche Wärme und in-nere Erfüllung verspricht…

Doch das eBay-Imperium wackelt: In China hat Alibaba, das Internet-Unternehmen des gewitzten Managers Jack Ma sich mit dem eBay-Konkurrenten Yahoo verbündet und verwickelt eBay in einen knallharten Preiskampf. Nachdem eBay sich vor ein paar Jahren schon vom japanischen Markt zurückzie-hen musste, droht nun auch im wachstumsträchtigsten aller Territorien eine Niederlage. Alibaba verkauft den erbitterten Wettbewerb als tapferen Kampf Davids gegen Goliath – und ist selbst zu einer kaum berechenbaren Macht geworden…

Was steckt hinter dem globalen Handel im Internet? Was ist Traum, was Realität? Was sind reale Chancen, was bloßes Marketing? Marcus Vetter und Stefan Tolz ist ein ebenso erhellender wie unterhaltsamer Film über ein weltumspannendes Phänomen unserer Zeit gelungen, in dem der Schein immer wieder mit dem Sein kollidiert.

1995

gründete Pierre Omidyar eBay, zunächst unter dem Namen auctionweb. Unternehmenssitz ist San José, Kalifornien. Der Gewinn von eBay hat sich in den Anfangsjahren regelmäßig verdoppelt, 2006 betrug er weltweit 1,12 Millarden US$, bei einem Umsatz von 5,97 Milliarden. Laut Firmenmeldung werden in Deutschland alle 50 Sekunden eine Digitalkamera und täglich 13 Bagger über eBay verkauft. Es sind 12.000 Powerseller und mehr als 50.000 eBay-Shops registriert.

Bild: Alibaba / Taobao Callcenter, China

„eBay hatte nie einen richtigen Konkurrenten. Für uns ist es ein Sport. Wie ein Spiel gegen Michael Jordan… Es gibt ein chinesisches Sprichwort: ‚Kenne dich selbst und kenne deinen Konkurrenten“. Wir kennen uns, und wir kennen eBay. eBay kennt sich selbst – aber sie kennen uns nicht.“

Porter Erisman, Pressechef alibaba.com

Träume von Reichtum und Glück

Stefan Tolz und Marcus Vetter über den Film

Rund um den Globus

Stefan Tolz: Uns hat die Herausforderung gereizt, für die-ses populäre Thema eine erzählerische Umsetzung zu fi nden und einen spannenden Kinofi lm daraus zu machen. Traders’ Dreams sollte kein Film für Computerfreaks werden, sondern menschliche Erlebnisse beschreiben, die emotional berühren. Es ging uns um eine Parabel auf die Globalisierung, um die bunte eBay-Welt, die aus Amerika bereits in über 30 Länder exportiert wurde. Wir wollten sehen, was hinter der Verhei-ßung steckt, die von eBay ausgeht, hinter den Hoffnungen und dem Traum von Reichtum und Glück. Das wollten wir rund um den Globus verfolgen, anhand dieses „Spielzeugs“ eBay, mit dem rund um die Welt „gespielt“ wird und das in unterschiedlichen Ländern für vollkommen unterschiedliche Dinge stehen kann.

Zeitzeichen

Marcus Vetter: Die eBay-Euphorie ist für mich ein zeittypi-sches Phänomen. Viele Menschen sehen hier plötzlich eine Möglichkeit, sich den Traum der Selbständigkeit zu erfüllen. In Deutschland war der Glaube an erfolgreiche Existenzgrün-dungen durch eBay so groß, dass sogar die Arbeitsämter För-derprogramme für entsprechende Ich-AGs aufgelegt haben.Aber ist das wirklich so einfach? Was für Konsequenzen hat es? Mit den verschiedenen Geschichten unseres Films woll-ten wir versuchen, dieses komplexe Thema wie ein Puzzle zusammenzusetzen.

Unsere Mexikogeschichte zum Beispiel erzählt davon, wie die Töpfer von Mata Ortiz diese wunderschönen Vasen in Handarbeit herstellen. Aber wo liegt der gerechte Preis? Der Handel mit den Vasen ist letzten Endes viel lukrativer als das mühsame Herstellen, als der künstlerische Prozess. Sollen die Produzenten nun selbst zu Händlern werden? Was hat das für Konsequenzen, wenn sich jeder nur noch dem Handel verschreibt und das Herstellen von Dingen nicht mehr lukrativ ist? Solche Fragen stellt der Film, wobei wir keine fertigen Antworten vorgeben, sondern zum Denken, Weiterspinnen und Hinterfragen anregen wollen.

Protagonisten

Stefan Tolz: Die Thurms aus Borna in Sachsen haben wir während der Recherche auf einer eBay-Veranstaltung kennen gelernt. Es war zunächst unsicher, ob sie wirklich mit der Powerseller-Idee weitermachen würden, so dass wir auf eBay-Seminaren noch weitere Video-Castings gemacht haben. Aber letztlich waren die Thurms in ihrer ehrlichen und offenen Art nicht zu schlagen. Als sie schließlich mit eBay loslegten, war klar, dass wir den Film mit ihnen machen würden. Auf der Suche nach einer Geschichte „am Ende der Welt“ sind wir auf ein Spielzeugmuseum auf der Isle of Skye gestoßen, das nach einem verheerenden Brand seine neuen Exponate auf eBay ersteigert hatte. Beim Besuch dort lernte ich auch die Nachbarn kennen: den Powerseller Spike, die Postbotin Joe, das Bed & Breakfast von Archie und Kathie Campell.

Als Archie und Kathie hörten, was ich recherchierte, wollten sie meine Einschätzung wissen, ob Archie seine Schiffszeich-nungen auf eBay verkaufen sollte. Es lag nahe, dass er sich mit dieser Frage an seinen Freund Spike wenden sollte. Und schon hatten wir den Anfang einer Geschichte…Auf Mata Ortiz in Mexiko kamen wir, weil die Vasenherstel-lung in einem eBay-Firmenvideo als Paradebeispiel beschrie-ben worden war, wie eBay Menschen in der Dritten Welt hel-fen kann. „Economic Democracy“ hieß die Überschrift. Als wir im Frühjahr 2005 in Mexiko waren, stellte sich allerdings heraus, dass alle Vasen, die auf eBay verkauft werden, von US-amerikanischen Zwischenhändlern mit erheblicher Ge-winnspanne angeboten wurden. Es war also nichts mit dem direkten Verkauf, wie es der Werbefi lm suggeriert hatte. Marcus Vetter hatte bei seinen Recherchen vorab die Töpfer Macario und Ruben kennengelernt, die sehr interessiert am Internetverkauf waren. Es bot sich an, mit ihnen gemeinsam zu schauen, ob das funktioniert. Dass später der auf die Va-sen spezialisierte Powerseller Larry Deming aus den USA zur Drehzeit im Ort auftauchte, war dann ein Glücksfall für uns.

Montage

Marcus Vetter: Der Schnitt war bei diesem Film die größte Herausforderung. Wir hatten sehr schnell fünf einzelne Geschichten, die für sich genommen wunderbar funktioniert haben. Als wir jedoch versucht haben, diese Geschichten en bloc hintereinander zu erzählen, haben wir schnell gemerkt, dass das nicht aufging. An diesem Punkt begann der komplizierte Prozess, die Geschichten in monatelanger Kleinarbeit so miteinander zu verschränken, dass sie sich zu einem großen Ganzen zu-sammensetzen: Wie ein Unternehmen sich aufgemacht hat, die Welt mit seiner Philosophie zu beglücken – „Jedermann kann Händler und seines eigenen Glückes Schmied werden“. Und wie sich diese Verheißung auf die Menschen auswirkt, ob die Träume und Hoffnungen, die mit eBay verbunden werden, in Erfüllung gehen oder am Ende die große Ernüchterung steht.

Schnäppchenjagd

Stefan Tolz: Wir hatten uns im Vorfeld viele Reportagen, Beiträge und Spots über eBay angeschaut und für uns festgestellt, dass das übliche „Mal-eben-schauen-kaufen-verkaufen“ schnell ins Leere läuft. Fast jeder kennt eine eBay-Story, eine Be-trugsgeschichte, ein unglaublich gutes Schnäppchen, einen lukrativen Verkauf. Aber wir wollten in unserem Film eine Ge-schichte mit einer Entwicklung hinter unseren Protagonisten zeigen. Uns ging es um die eBay-Idee, um die Philosophie dahinter. Um das, was eben nicht jeder kennt. Für die Thurms zum Beispiel geht es ja nicht nur um einen einzigen tollen Verkauf, sondern um den Versuch, ihren Lebensunterhalt mit eBay zu verdienen. Da steht viel auf dem Spiel. Die Ideen und Slogans wie „Ebay verbessert die Welt“ oder „Menschen verfolgen einen Traum“ waren unsere Leitpunkte, an denen wir uns reiben und an denen wir Entwicklungen verfolgen konnten.

Reaktionen von eBay

Stefan Tolz: Bei eBay muss man unterscheiden zwischen den Mitar-beitern der ersten Stunde und den neuen „Machthabern“ im Konzern. Selbst der Gründer Pierre Omidyar wird inzwischen von der PR-Abteilung in den USA abgeschirmt. Wenn er auf-tritt, dann meist mit abgesprochenen Fragen durch eBay-Moderatoren. Vor diesem Hintergrund muss man sagen, dass uns eBay Deutschland sehr unterstützt hat. Wir konnten ein Video-Casting bei einer Veranstaltung in Potsdam machen, durften die eBay-University in Dresden drehen und wurden schließlich auch zur eBay-Live in Kalifornien zugelassen. Beim Thema China hat die amerikanische eBay-Zentrale allerdings trotz der Fürsprache aus Deutschland gemauert und uns auf höfl iche Weise klar gemacht, dass wir von ihnen nichts erfahren würden.

Alibaba und die Chinesischen Räuber

Marcus Vetter: Wenn eBay beschließt, ein Land zu erschließen, das noch ein weißer Fleck auf ihrer Firmen-Landkarte ist, kauft es normalerweise den lokalen Konkurrenten kurzerhand auf. Zudem versucht man, das amerikanische eBay-Modell soweit wie möglich zu kopieren. In China hat dieses Geschäftsmodell aber nicht funktioniert. Als eBay sich in der China-Geschichte bedeckt gehalten hat, haben wir uns mehr und mehr für die Geschichte von Alibaba, dem größten eBay-Konkurrenten in China interessiert. Porter Erisman, der Pressechef von Alibaba, erzählte uns beim ersten Termin in Hangzhou, dass er am nächsten Tag zu einer Pressekonferenz nach Hongkong müsse. Alibaba wollte dort bekannt geben, dass das eigene Auktionsportal weitere drei Jahre kostenfrei angeboten wird – eBay sollte so vom chinesischen Markt verdrängt werden. Wir haben daraufhin sofort unsere Reisepläne geändert und sind mit nach Hongkong geflogen. Porter war sehr zugänglich, wir durften sogar nachts in seinem Hotelzimmer drehen, als er die Pressemel-dung über den Einstieg von Yahoo bei Alibaba geschrieben hat. Über Porter hatten wir dann freien Zugang zu Jack Ma.Dieser Pressekrieg, den der Konkurrent aus China gegen eBay entfacht, diese Kampfansage liegt in Traders’ Dreamsjetzt wie ein Krimi hinter den verschiedenen Einzelgeschich-ten. Zunächst ist man vielleicht ganz froh, dass da jemand ist, der eBay in die Schranken weist. Aber dann wird klar, dass Alibaba als abgewandelte chinesische Kopie von eBay genauso auf Profit ausgerichtet ist und denselben Anspruch hat, Weltmarktführer zu werden.

Wertschätzung

Marcus Vetter: Auf eBay wurde das Prinzip weltweit ausgebaut, dass der Markt den Wert, den Preis bestimmt. Und jeder darf an diesem kapitalistischen Prinzip teilhaben. Aber wo sind die Grenzen? Diese Frage kommt in der Szene mit Archie und Spike in Schottland zum Ausdruck. Spike hat die eBay-Philosophie so gänzlich in sich aufgenommen, dass er Archie sogar vorschlägt, das Bild klein zu kopieren, damit es sich Sachsen, Bornabesser verkaufen lässt und besser in die Wohnzimmer passt. Spike, der durch und durch Verkäufer geworden ist, bringt den Künstler Archie damit stark in die Bredouille.

Am Ende des Films bringt der Töpfer Macario aus seiner War-tedie Gefahren auf den Punkt, die mit dem Handel in der Anonymität des Internets verbunden sind: Dass durch eBay seine Kunst zwar auf der ganzen Welt bekannt geworden ist, er es aber dennoch bevorzugt, wenn ihm die Käufer bei der Arbeit zuschauen und sie dadurch erst wirklich wertschätzen können. Er bleibt skeptisch. „Mal sehen was der Fortschritt noch bringt. Jetzt haben wir gerade mal gelernt, mit dem Telefon umzugehen…“

Konkurrenz

Stefan Tolz: Die wichtigste Konkurrenz ist auf indirektem Weg Google geworden. Allerdings will Google dem Nachbarn eBay auch nicht wehtun, denn eBay ist ihr größter Anzeigenkunde. Aber viele erfolgreiche eBay-Verkäufer haben inzwischen eigene Internetshops und nutzen Plattformen wie Google, um die Leute in ihre Shops zu lenken, statt ihre Produkte bei eBay einzustellen. In Europa hat eBay andere Plattformen bisher allerdings nicht zu fürchten. Es gibt zwar Ausnahmen wie die Schweiz, wo eBay hinter dem Konkurrenten Ricardo liegt. Aber in den meisten Ländern gibt es nur kleinere Mitbewerber, und eBay hat die marktführende Stellung.

Yahoo hat es mit der Beteiligung an Alibaba in China und der Marktführerschaft in Japan für eBay schwierig gemacht, weiter zu expandieren. Es geht deshalb bei eBay zur Zeit wohl eher darum, zu konsolidieren und dort, wo man erfolgreich ist, neue Geschäftsfelder zu sichern. Aus der Auktionsplattform eBay wird wohl immer mehr ein international agierender Mischkonzern, dessen Shareholder Value über die Unter-nehmensstrategie entscheidet – und der sich vielleicht eines Tages von den Konkurrenten Microsoft, Amazon oder Google schlucken lässt…

eBay

ist mit seinem Online-Portal MerdacoLibre.com in 12 Ländern Lateinamerikas präsent und hat dort 18,7 Mio. registrierte Nutzer. 50% des Umsatzes an verkauften Waren wurden 2006 in Brasilien erwirtschaftet.

Die Töpferkunst in Mata Ortiz geht auf das um 1400 n.C. mysteriös verschwundene Volk der Paquimé zurück, von dem ausgedehnte Ruinen und zahlreiche Scherben und Fundstücke hochentwickelter Keramik in der nordmexikanischen Wüste zeugen. In den 70er Jahren experimentierte der junge Mexikaner Juan Quezada auf der Grundlage dieser Fundstücke mit Mischungen aus Lehm und Vulkanasche und bemalte seine Keramik im Stil der Paquimé. Der Hobby-Anthropologe Spencer MacCallum wurde auf Quezadas Töpferkunst aufmerksam und ver-mittelte Ausstellungen und Verkäufe zunächst in den USA, später auch in Kanada, Japan und Europa. Heute arbeiten in Mata Ortiz fast 400 Töpfer. eBay ist inzwischen zur wichtigsten Handelsplattform für die Vasen und Keramiken aus Mata Ortiz geworden, wobei fast alle Geschäfte über US-amerikanische Zwischenhändler abgewickelt werden.

Bild: Macario, Künstler aus Mata Ortiz

„Wir sollten uns zusammentun und direkt von hier verkaufen! Direkt von uns Töpfern an die Gringos. Es ist fast sicher, dass man sie bei eBay loskriegt, vor allem, wenn man auch in andere Länder verkaufen kann. Die Sache ist nur: Es kostet etwas, Dinge bei eBay einzustellen, ob man verkauft oder nicht, man muss bezahlen. Sie buchen direkt vom Konto ab. Man kommt nicht drumrum zu bezahlen.“

Ruben und Macario, Töpfer in Macario

Bild: Spike und Archie, Powerseller, Isle of Skye, Schottland

„Wenn du ein Händler bist, und ich bin mein ganzes Leben lang Händler gewesen, dann musst du einen Markt fi nden. Und hier ist er! Es macht keinen Sinn, einen eigenen Laden zu haben. Du brauchst keinen. 10 Millionen Menschen sind bei eBay in Großbritannien registriert. Und wenn man 10 Millionen Menschen seine Waren präsentieren kann, ist das großartig. Das ist Evolution. Du machst mit oder du bleibst zurück. Ich bin kein Dinosaurier. Ich mache mit.”

Spike, Powerseller

Bild: Familie Thurm, Borna: Warten aufs erste Gebot

„Die Situation ist ja nicht einfach. Es hat einen Karriereknick gegeben, wir sind aus einem gewöhnlichen Berufsleben mit Angestelltenverhältnis rausgeworfen worden und in einem Alter, wo wir eigentlich keine Chance haben, dort wieder rein zu kommen. Wir haben uns dann etwas Zeit genommen, um zu suchen, was man aus so einer Situation machen kann. Und eBay… man hat schon gewusst, dass es so was gibt, aber wie es richtig funktioniert, das haben wir nicht gewusst.“

Konrad Thurm, Existenzgründer

Interview

Mit Marcus Vetter

Um auf eBay erfolgreich zu sein, muss man wie am Fließband funktionieren

Interview mit Marcus Vetter von David Sarkar, 28.07.2007 – Dokumentarfilmer Marcus Vetter über seinen eBay-Film „Trader’s Dreams“, absurde Auktionen, Süchtige, den Traum von der Selbständigkeit und den chinesischen eBay-Konkurrenten alibaba.com

Herr Vetter, wann haben Sie sich das erste Mal bei eBay eingeloggt?

Vetter: Das muss so vor vier Jahren gewesen sein. In dieser Zeit kamen Stefan Tolz und ich auch auf die Idee einen Film über eBay zu machen. Ich kannte mich damals nicht so besonders mit eBay aus. Es hat mich aber schon sehr beeindruckt, dass eBay mit den Jahren so eine erstaunliche Reichweite bekommen hatte, dass auf einmal weltweit Menschen miteinander handeln konnten. Dieses Phänomen wollten wir in dem Film dann auch behandeln. Ich hatte ja in den Jahren davor schon einige Wirtschaftsfilme, beispielsweise „Wo das Geld wächst- Die EM-TV-Story“, gemacht, weil es mich ganz einfach interessiert warum das Kaufen und Verkaufen so wichtig wurde in unserer Zeit, das Produzieren hingegen immer unwichtiger.

Was war der erste Artikel den Sie bei eBay ersteigert beziehungsweise versteigert haben?

Vetter: Ich glaube ich habe ein Mikrofon ersteigert und noch einiges Film- Equipment. Ich habe nie wirklich verrückte Dinge ersteigert und habe eBay auch zu keinem Zeitpunkt als Sucht empfunden. Es gibt ja Leute, die stöbern wahllos nach günstigen Auktionen und schlagen zu, auch wenn sie den Artikel eigentlich gar nicht brauchen; zu denen habe ich nie gehört. Wir haben uns bei unseren Film auch bewusst gegen diesen Aspekt entschieden. Wir wollten nicht zeigen, was man auf eBay alles verrücktes und absurdes ersteigern kann, sondern haben uns eher auf die Leute spezialisiert, die durch den eBay- Handel ihren Lebensunterhalt bestreiten beziehungsweise bestreiten wollen.

Trotzdem die Frage: Wie erklären Sie sich, dass man über eBay eine Luftgitarre versteigern kann und jemand dafür auch noch echtes Geld bezahlt?

Vetter: Weil unsere heutige Gesellschaft aus solchen Dingen besteht. Wir sind eine sehr satte Gesellschaft und versuchen uns durch solche Verrücktheiten unsere Kicks zu holen. Das ist natürlich kompletter Schwachsinn, eine Luftgitarre zu ersteigern, aber solche Absurditäten existieren nun mal und werden auch immer existieren. Es bleibt mir ja frei bei so etwas mitzumachen oder eben nicht.

Weiter lesen

Presse

„Vetter und Tolz zeigen intime Eindrücke aus den Wohnstuben der Auktionsfantasten und gewähren investigative Einblicke in das ganz und gar nicht träumerische Geschäftsgebaren der E-Auktions-Mogule. Der hohe Unterhaltungswert, den Traders‘ Dreams besitzt, rührt eindeutig von seinem sorgsam ausgewählten und sensibel begleiteten Personal her, skurrile Situationskomik inklusive.“

kulturjournalist.de

„Die beiden Dokumentarfi lmer Marcus Vetter und Stefan Tolz begaben sich für ihre Suche nach dem nationen- und kulturenübergreifenden Phänomen eBay auf eine Reise um die ganze Welt. Überall trafen sie auf Menschen, die sich über eBay ihre kleinen wie großen Träume erfüllen wollten – mit recht unterschiedlichem Erfolg… Traders‘ Dreams ent-tarnt den Traum von einem System ohne Verlierer als eine schöne Schimäre. Es ist vor allem eBays Marketing-Kraft zu verdanken, dass viele den Glauben an einen Wohlstand als Selfmade-Unternehmer nicht aufgeben wollen. Doch – so lehren die Beispiele des Films – Erfolg ist selbst bei eBay nicht planbar. (…)Vetter und Tolz setzen die Aufnahmen der von Euphorie und Aktionismus beseelten eBay-Community mit den Alltagser-fahrungen anderer eBay-Nutzer in ein interessantes Span-nungsverhältnis. Dort das scheinbar pure Glück, der Rausch, hier in der Realität der harte Kampf um jede Aktion, um je-den verkauften Artikel. Zwei Welten, und beides ist eBay.“

Programmkino.de

Credits

Eine Produktion von Filmquadrat und Filmperspektive

In Koproduktion mit NDR, ZDF und ARTE

Produktionsjahr2007
Länge83 Minuten
Format35mm, Digibeta
Eine Produktion vonFilmquadrat
In Kooperation mitFilmperspektive GmbH
NDR
ZDF
In Zusammenarbeit mitARTE
Télévision Suisse Romande (TSR)
ProduzentStefan Tolz
RegieMarcus Vetter
Stefan Tolz
CameraSylvio Claußner
Thomas Riedelsheimer
SchnittAnnette Muff
Stefan Tolz
Saskia Metten
RechercheAnna Brass
Minh-Hang Ha
Kieran Hannigan
Maria Henoch
Jeroen van’t Hoofd
Mareike Lange
Chris Lawson
Isaiah Saxon
Emma Thomas
RedaktionHans-Robert Eisenhauer (ZDF / ARTE)
Thomas Schreiber (NDR
Gefördert vonFFA
BKM
Filmstiftung Nordrhein-Westfalen
VerleihPiffi Medien
TonThomas Schwarz
Marcus Vetter
MischungTom Dokoupil
MusikPaul Shigihara
Zweite KameraStefan Tolz
Nils Keber
Stefan Thissen
Marcus Vetter
ProduktionsteamSebastian Fünder
Nina Ludewig
Michele Owen
FilmgeschäftsführungBirgitta Bruder
HerstellungsleitungMarkus Breimaier
ProduktionskoordinatorCarina Mergens
TonbearbeitungMarilyn Janssen
MusikmischungStephen Bohn
FarbgestaltungOliver Kenneke
AusbelichtungNorbert Dziambor
TitelgestaltungJörg Neiß
ÜbersetzungenPaul Bendelow
Vincent Abbate
Baige Hou
Marcela Cano
UntertitelHolland Subtitling
PostproduktionWhitehouse Studios
Sound Vision
ACT Videoproduktion
Cine Postproduction Geyer Köln
Entwickelt im Rahmen derDiscovery Campus Masterschool
mit Unterstützung desGerd Ruge Stipendiums
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