Marcus Attila Vetter, ein bekannter Dokumentarfilmregisseur, hat seinen türkischen Vater nur einmal in seinem Leben kurz gesehen. Damals war er sieben Jahre alt. Davor und danach gab es nie einen Kontakt zwischen ihnen. Nun, mit 38 Jahren, macht er sich auf den Weg in das kleine anatolische Bergdorf Cubuk Koye. Er will die Geschichte seiner Herkunft begreifen und einen Mann treffen, der für ihn ein Fremder ist: seinen Vater Cahit Cubuk.

„Mein Vater, der Türke“ zeigt die Begegnung des Autors mit der Familie seines mittlerweile 72-jährigen Vaters im Sommer 2005. Insgesamt drei Wochen verbringen sie miteinander, begleitet von einem Kamerateam und einer Übersetzerin.


Marcus Vetter und Co-Regisseurin Ariane Riecker erhielten für ihren sehr persönlichen Film 2007 den "Golden Gate Award" auf dem angesehenen San Francisco International Film Festival. Die SWR-Produktion wurde als bestes Programm in der Kategorie "abendfüllende Fernsehdokumentationen" ausgezeichnet. Der Film wirft weiterhin ein Schlaglicht auf ein Stück Zeitgeschichte, auf das deutsch-türkische Verhältnis und auf den Wandel von gesellschaftlichen Werten." Das Autorenduo erhielt für den Dokumentarfilm im Oktober 2006 den "Prix Europa".

Deutschland lud in den 60er Jahren eine große Zahl von Gastarbeitern ein, für eine begrenzte Zeit hier zu arbeiten. Die Männer und Frauen, die aus ihrer Heimat in ein fremdes Land, mit einer ihnen fremden Kultur kamen, versuchten sich so gut wie möglich einzugliedern und Geld zu verdienen. So wie der Türke Cahit Cubuk, der als Koch arbeitete. Er lernte eine junge deutsche Frau kennen, die sich Hals über Kopf in ihn verliebte und schwanger wurde. Der kleine Marcus Attila Vetter aber lernte seinen Vater erst Jahrzehnte später kennen. Der Journalist und Filmemacher Marcus Vetter begibt sich in Mein Vater, der Türke auf die Suche nach seinem Vater und dessen Familie in der Türkei.

Sein Vater stammt aus dem kleinen Bergdorf Cubuk Koye. Um Geld zu verdienen fuhr Cahit nach Deutschland und verliebte sich in eine gerade mal 20 Jahre junge Frau. Sie genossen eine kurze ausgelassene Zeit, bis sie schwanger wurde. Eines Tages, der kleine Marcus war noch nicht geboren, fuhr Cahit in Urlaub nach Anatolien und kam nie wieder zurück. Die verzweifelte, hochschwangere Mutter musste den Sohn alleine aufziehen und verweigerte Cahit später den Umgang mit dem Kind. Sie war enttäuscht und verletzt, denn erst spät erfuhr sie, dass Cahit noch eine Frau in der Türkei hatte, zu der er zurückkehrte und mit ihr vier Töchter zeugte, immer in der Hoffnung er bekäme noch ein Sohn.

Als sich Marcus Vetter zu Besuch in der Türkei anmeldet, überschlagen sich die Gefühle aller Familienmitglieder. Die ganze Familie ist gespannt auf den unbekannten Sohn, Bruder und Onkel. Offen erzählen Marcus Schwestern über ihre enttäuschten Erwartungen, die sie an ihre Eltern in der Kindheit stellten und über die fehlende Anerkennung des Vaters, der es nie lange zuhause ausgehalten hatte und immer auf Reisen war.

Es ist ein Film über das Zusammentreffen zwei sehr verschiedener Kulturen, bei dem die Elterngeneration nach anderen Vorstellungen lebt. Die Geschwister hingegen stellen fest, dass sie letztendlich die gleichen Vorstellungen von einer intakten Familie und Liebe teilen. Aber auch Cahit Cubuk stellt sich endlich den Fragen seines Sohnes, die ihn sein Leben lang beschäftigt haben.

Mein Vater, der Türke wurde als Bester Dokumentarfilm beim 12. Filmfestival Türkei/Deutschland ausgezeichnet. 2006 erhielt er den Prix Europa, sowie den Golden Gate Award beim San Francisco InternationalFilmfestival 2007. (Quelle: Katja Silberzahn ARTE)

Festivals

2007   Int. Flahertiana Filmfestival, Russland
2007 Docupolis – Int. Filmfestival Barcelona,
2007 Festival de Cine, Chile
2007 9th Annual New York Turkish Filmfestival
2007 Göteburg International Filmfestival
2007 San Francisco International Film Festival
2007 International Filmfestival Ukraine
2007 International Filmfestival Ecuador
2007 Bellaria Filmfestival Italien

Awards & Nominierungen

2006   Prix Europa
2007 Golden Gate Award San Francisco
2007 Bester Dokumentarfilm - Filmfest Nürnberg
2007 Publikumspreis Filmfestival Vera Finnland
2007 Nominiert für Adolf Grimme Preis
2007 Nominiert für Baden-Württemberg. Dok. Filmpreis
2007 Joris Ivens Ccompetition“, IDFA

Eine Produktion von ARD, SWR und ARTE

Produktionsjahr 2006
Länge 89 Minuten
Format HD/35 mm
Eine Produktion von ARD, SWR, ARTE
In Kooperation mit Filmperspektive GmbH
Regie Marcus Vetter
Co-Regie Ariane Riecker
Kamera Dragomir Radosavljevic
Schnitt Saskia Metten

In Ko-Produktion mit Filmperspektive

Ton Christian Lackner
Wolfgang Orth
Erzählung Marcus Vetter
Ariane Riecker
Sprecherin Corinna Harfouch
Redaktion Gudrun Hanke-El Ghomri
Weltvertrieb Telepool

"Mein Vater der Türke" - ein Rückblick

Die Inszenierung, die der Film leistet, führt nicht zu einer bleiernen Melancholie angesichts der Schicksale. Der Film strotzt vor Vitalität: der Charme und die Lebendigkeit des Vaters, seine in ihrer Religiosität ruhende Ehefrau, die zum Sprechen befreiten Töchter. Und am Schluss macht Marcus Vetters seinem Vater das eigentliche Gastgeschenk: einen Motorroller, den sie gemeinsam zu fahren üben. Was der Sohn und Vater in Marcus Vetters Kindheit nicht erlebt hat: einen Vater, der dem Sohn das Fahrradfahren beibringt, das holen sie nun mit großem Spaß und umgekehrter Rollenverteilung nach.

Ein tief berührender Film, der Versöhnliches und Bestürzendes nebeneinander stehen lässt, versöhnt durch die Humanität des Blicks, mit dem der Regisseur sich und seine Mitmenschen anschaut. Am Ende ein bewegtes und beeindrucktes Publikum: durch den Film und die überzeugende Poetik seines Filmemachens, die uns Marcus Vetter vermittelt hat.

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Stimme.de, 30.07.2010

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Kinio.de, 10.05.2007

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Doku-Tipp: Mein Vater der Türke

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