Die Unzerbrechlichen: Filmische Langzeitbeobachtung über den wirtschaftlichen Wiederaufstieg einer insolventen Glashütte im Bayerischen Wald.

Seit einem halben Jahrtausend werden in der Kristallglasmanufaktur Theresienthal nach alter Tradition Gläser hergestellt. Bis die Firma im April 2001 Insolvenz anmelden muss. Mitarbeiter wie Max Hannes, der 39 Jahre für das Unternehmen gearbeitet hat, stehen vor dem nichts. Zwei Jahre dauert es, bis er und seine Mitstreiter Christoph Glaser und Mirjam Storim in Eigeninitiative mit der Eberhard von Kuenheim Stiftung die marode Glashütte im Bayrischen Wald wieder in Betrieb nehmen. Sie vollbringen das “Wunder von Theresienthal”.

Wo die Globalisierung Arbeitsplätze kahl schlägt, lamentieren Dominik Wessely und Marcus Vetter nicht lange. Ihre spannende Dokumentation handelt von einer der wenigen unternehmerischen Rettungsgeschichten mit Happy End.

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Als die Glashütte Theresienthal im April 2001 Insolvenz anmeldet, geht eine Tradition des Glasmachens zu Ende, die mehr als ein halbes Jahrtausend zurückreicht. Die Botschaft scheint klar: für ein Unternehmen, das sich seit 500 Jahren kaum verändert hat, ist in einem globalisierten Markt kein Platz mehr.

Im April 2001 meldet die Kristallglasmanufaktur Theresienthal Insolvenz an. Für die Menschen in der Region bedeutet der Konkurs das Ende einer jahrhundertlangen Tradition der Glasherstellung. Jahre später entdecken ein paar junge Idealisten die marode Glashütte im Bayerischen Wald. Ihr Plan ist, in Theresienthal wieder Glas zu blasen. Im Sommer 2006 geht die Hütte bereits in ihr zweites Betriebsjahr nach der ungewöhnlichen Wiedereröffnung. 18 Langzeitarbeitslose in fortgeschrittenem Alter haben wieder dauerhaft Arbeit gefunden. Sie sprechen vom " Wunder von Theresienthal".


Der Film begleitet ehemalige Arbeiter des Betriebs, die zusammen mit Partnern der Eberhard von Kuenheim Stiftung und anderen Mitstreitern einen Neustart für Theresienthal unternehmen. Durch Eigeninitiative, Kreativität und ungewöhnliche Ideen überwinden sie den schon sprichwörtlichen deutschen Stillstand und schließlich auch ihre Langzeitarbeitslosigkeit. Die Filmische Langzeitbeobachtung des wirtschaftlichen Wiederaufstiegs einer insolventen Glashütte im Bayerischen Wald wurde von Dominik Wessley udn Marcus Vetter in Szene gesetzt. Sie begleiten Betroffene über einen Zeitraum von drei Jahren und beobachtete diese bei ihrem zähen Kampf um eines der ältesten deutschen Traditionsunternehmen. Entstanden ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Rettung, die Hoffnung weckt. Seit August 2004 wird in Theresienthal wieder Glas gemacht.

Eine Produktion von ARTE und dem Bayrischen Rundfunk

Produktionsjahr 2006
Länge 96 Minuten
Produzent Michael Jungfleisch
In Co-Produktion mit ARTE, BR
Gambit Filmproduktion GmbH
Regie Dominik Wessley
Co-Regie Marcus Vetter
Kamera Oascal Schmitt
Grischa Schmitz
Schnitt Anja Pohl
Verleih Salzberger
Gefördert von MFG Filmförderung Baden-Württemberg
FFF Film Förder Fond Bayern
FFA Filmförderanstalt des Bundes

Awards

2006  Göthe Institut Documentary Award
Duisburg Filmwoche
2007 Film+ Festival – Bester Schnitt

Festivals

2007  12. Festival des deutschen Films in Paris
2006 Filmfest München

Zur Sonne, zur Freiheit

Von Oliver Baumgarten – Fast zwangsläufig hat es unsere profitorientierte Gesellschaft in diese Richtung getrieben, aus der es nun erst einmal schwerlich ein Fortkommen geben wird. Die florierende Discount-Kultur mit Billigangeboten, von denen man vor zehn Jahren nur träumen konnte, scheint zwar oberflächlich betrachtet dank geldwerten Vorteils, wie es so schön heißt, den Verbraucher zu erfreuen. Hinter dem schönen Schein aber droht der Verlust von Qualität, von Arbeit, von Handwerk. 1,49 Euro für sechs Weingläser namens »Reko« – ein solches Angebot eines bekannten schwedischen Holzmöbeldiscounters scheint sich schon auf dem Papier über das traditionelle Glaserei-Handwerk aufs Schäbigste lustig zu machen.

Und während das zynische Gelächter der Discounter noch nachklingt, drücken sich Betriebe wie die traditionelle Glashütte Theresienthal, deren mundgeblasener und handgefertigter Weinkelch »Dagmar« etwa als Schnäppchen mit 29 Euro das Stück zu Buche schlägt, beim Insolvenzverwalter die Klinke in die Hand. Doch gerade ehemalige Mitarbeiter von Theresienthal, seit 2001 arbeitslos, wollten sich nicht zum Opfer der Globalisierung machen lassen und fanden dank großer Kreativität und Engagement zunächst einen potenten Sponsor und seit Mitte 2004 auch wieder den Weg in die Produktion von nunmehr betont traditionsbewußter Handwerkskunst.

Jenen »Unzerbrechlichen« widmen Dominik Wessely und Marcus Vetter ihren kurzweiligen und entspannt erzählten Dokumentarfilm, der durch seine Protagonisten und seine Dramaturgie ein bißchen wie ein Vertreter jenes Sportfilmgenres wirkt, bei dem eine Handvoll ausgemusterter, kantiger, aber am Ende doch grundsympathischer Ex-Profis noch ein letztes Mal ein Team bildet und am Ende sensationell die Meisterschaft gewinnt. Da ist zum Beispiel der knorrige Glasbläser, ein Meister seiner Klasse, der sich zu Beginn sträubt, wieder einzusteigen, weil er seine gerade vom Amt bewilligte Ich-AG dann sofort wieder vergessen kann. Der ewig zweifelnde, aber grundloyale Vorarbeiter, die ketterauchende Firmeninstitution aus dem Vertrieb: Sie alle werden am Ende gewinnen, und diesen kleinen sozialen Arbeiterpathos, den der Film mitunter verbreitet, läßt man sich auch gerne gefallen. Insgesamt allerdings, auch das eine Stärke des Films, legen uns die Filmemacher doch auch nahe, daß dieses »Wunder von Theresienthal«, wie es die Angestellten nennen, ein kontrolliertes Wunder ist. Keines, das die Arbeiter der globalisierten Wirtschaft abgerungen haben, sondern eines, das man sich aus der globalisierten Wirtschaft heraus leistet. Denn Motor hinter der Theresienthal-Initiative ist die Eberhard von Kuenheim Stiftung – eine Institution aus dem Hause BMW.

(Quelle: Schnitt #45)